Liebe Gemeindeglieder, liebe Freundinnen und Freunde der Hospitalkirche, Werden an der Ostsee Palmen wachsen? So wurden jüngst Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gefragt mit dem Ziel, den Fortschritt der Menschheit bis ins Jahr 2010 zu ermitteln. Wird es eine Armee ohne Soldaten geben? Eine Pille gegen das Alter? Den geklonten Menschen? Die Wunderwaffe gegen Krebs? Werden wir Gedanken lesen können? Alle diese Fragen sind nicht einfach aus der Luft gegriffen. Sie tragen in sich die seriöse Möglichkeit, dass es tatsächlich so kommen könnte. Allerdings: schon beim Lesen wecken solche Zukunftsphantasien Widerstand in unseren Köpfen. Denn angesichts der Dinge, die uns in diesen Tagen und Wochen beschäftigen, wirken sie unwirklich und fast grotesk. Wir alle wissen: paradiesisch werden sie nicht sein, die Monate, die kommen und dieses neue Jahr 2005. Kaum jemand, der nicht beunruhigt ist über die Veränderungen in unserem Sozial- und Gesundheitswesen – von den Ängsten der unmittelbar Betroffenen ganz zu schweigen. Kaum jemand, der sich nicht Sorgen macht um den Frieden und um das Zusammenleben von Religionen und Kulturen. Kaum jemand, der sich nicht Gedanken macht über das Miteinander in unserem Land, in unserer Stadt, in unseren Familien. Werden an der Ostsee Palmen wachsen? Hoffentlich nicht. Bei näherem Hinsehen ist das ja eher ein gespenstisches Bild – auf jeden Fall ist es auch Ausdruck dafür, dass wir in Wahrheit unseren Zukunftsphantasien nicht gewachsen sind. Ich denke dabei an einen Satz von Martin Luther aus seiner Auslegung des Johannesevangeliums: Wer so weit hinaus will, schreibt er, der muss ein anderer Mensch werden als er bisher war. Um die Herausforderungen zu bewältigen, die vor uns stehen, müssten wir tatsächlich andere Menschen sein. Weihnachten ist so etwas wie eine Einladung dazu. Denn Weihnachten will eine Umkehrung unseres Blickes auf das Leben bewirken. Glück,
Hoffnung, Lebensperspektiven – sie zeigen sich nicht in unseren technischen und wirtschaftlichen Erlösungsphantasien. Sie entstehen – das ist die Botschaft von der Geburt Gottes in einem Stall - mitten in unserem alltäglichen Leben,
sogar inmitten von menschlicher Not und menschlichem Elend und brechen von dort aus auf hinein in die Geschichte als eine andere Form des menschlichen Miteinander. Der Weg und die Botschaft Jesu In unseren Gottesdiensten, Konzerten (s. Musik), Veranstaltungen möchten wir Ihnen etwas davon nahe bringen und mit Ihnen teilen. Dazu lade ich Sie herzlich ein und grüße Sie auch im Namen von Pfarrer Helmut A. Müller, Kirchenmusikdirektor Jürgen Schwab und im Namen des Kirchengemeinderats. Mit den besten Segenswünschen für die Weihnachtszeit und für das Jahr 2005 Ihr |