Vita Contemplativa


Kurzvortrag – Stillemeditation – Gespräch in der Hospitalkirche

Das Christentum lebt aus einem Jahrtausende alten, reichen Schatz spiritueller Erfahrungen.

Die Vita Contemplativa lädt ein zu einer Begegnung mit berühmten Texten, Meditationen und geistlichen Übungen. Kostenbeitrag entfällt.

Jeweils dienstags, 18:00 Uhr bis ca. 19:30 Uhr. Leitung: Dr. Katrin Köhl, Pfarrer Siegfried Finkbeiner, Thomas Moser, Pfarrer Dr. Armin Münch, Pfarrer Eberhard Schwarz


Donnerstag(!), 02.12.2021, 18:00-19:30 Uhr, Hospitalkirche, Büchsenstr. 33

Jean-Luc Nancy: Die Nächstenliebe als ein Raum des Innehaltens
Mit seiner "Dekonstruktion des Christentums" öffnet der in Straßburg lebende französische Religionsphilosoph Jean-Luc Nancy der christlichen Kirche und Theologie eine ungewöhnliche Form der Selbstbegegnung. Mit seinem Denken reiht er sich ein in die "Philosophien des Ereignisses". Die Existenz, so Nancy, sei wesentlich Erfahrung und nicht Wissen: Sie tue nichts anderes, als sich dem Unvorhersehbaren, dem Unerhörten ihres eigenen Ereignisses auszusetzen. Welche ethischen und geistlichen Konsequenzen daraus entstehen, lassen sich am Beispiel der Nächstenliebe zeigen. Sie führt uns an den Ort, an dem wir ganz da sind und uns doch ganz verlieren.

Mit Eberhard Schwarz


Donnerstag(!), 09.12.2021, 18:00-19:30 Uhr, Hospitalkirche, Büchsenstr. 33

Die Veranstaltung kann leider krankheitsbedingt nicht stattfinden. Wir holen sie zu einem späteren Zeitpunkt nach.

Christian Wagner: Ein Stück Ewigkeitsleben
Er gilt als Poet der Blumen, des Waldes und überhaupt der Natur, mit deren Geschöpfen er in dauerndem Wechselgespräch stand. Er war zugleich Grenzgänger des christlichen Glaubens mit Liebe zur asiatischen Spiritualität und fasste seine religiöse Überzeugung in einem eigenen Katechismus zusammen. Ein Visionär, heute aktueller denn je.

Mit Siegfried Finkbeiner


Dienstag, 11.01.2022, 18:00-19:30 Uhr, Hospitalkirche, Büchsenstr. 33

Ana Blandiana: Kirchen haben keine Dächer sondern Flügel

Ana Blandiana gehört zu den starken, unabhängigen Stimmen der rumänischen Gegenwartsdichtung. Der Vater war Lehrer und orthodoxer Priester. Während der kommunistischen Diktatur erlebt sie Schreibverbote und Hausarrest. Schreiben ist ihr bis heute eine Form des Widerstands und zugleich eine Erschließung ihrer spirituellen Wurzeln.

Mit Eberhard Schwarz


Dienstag, 25.01.2022, 18:00-19:30 Uhr, Hospitalkirche, Büchsenstr. 33

Der Victoriner Richard von St. Victor

Richard (um 1110 – 1173) gehört zu den bedeutendsten Gestalten der Mystik des 12. Jahrhunderts. Über sein Leben ist kaum etwas bekannt, außer dass er wohl aus Schottland stammte und als Subprior und Prior des Augustinerstifts St. Victor in Paris diente, einer der damals berühmtesten Schulen. Wie alle Victoriner strebte er eine Synthese von Mystik und der damals neuartigen Theologie namens Scholastik an.

Mit Thomas Moser


 Dienstag, 15.02.22, 18:00-19:30 Uhr, Hospitalkirche, Büchsenstr. 33

 Gennadij Ajgi (1934-2006)

 »Und die schneeflocken tragen und tragen / ununterbrochen zur erde / Die hieroglyphen gottes…«

Diese Welt rühre uns »bisweilen an durch das bloße Stückwerk des, Wunders‘, so als legte einem jemand die Hand auf die Schulter«. Der vielfach ausgezeichnete tschuwaschisch-russische Dichter, lange Zeit als Nobelpreis-Kandidat im Gespräch, wusste sich seiner ethnischen Herkunft mit ihren Mythen und Naturerfahrungen ebenso verpflichtet wie der christlichen Existenzphilosophie von Blaise Pascal, Sören Kierkegaard und Gabriel Marcel. In einfachen Bildern berührt und weckt Ajgi die universalen Themen unseres Daseins.

Mit Eberhard Schwarz


Dienstag, 15.03.22, 18:00-19:30 Uhr, Hospitalkirche, Büchsenstr. 33

Carl Albrecht (1902-1965)

Das mystische Erkennen

Carl Albrecht setzte in seiner Arztpraxis meditativ-therapeutische Methoden ein und studierte dabei das »Versunkenheitsbewusstsein« seiner Patienten. Daraus entstand nach längerem Selbstversuch seine »Kritische Analyse der mystischen Erkenntnisstruktur«. Damit versuchte er die Phänomene des mystischen Bewusstseins möglichst präzise zu beschreiben und nachvollziehbar zu machen, was nicht nur im christlichen, sondern auch im buddhistischen Kontext aufgenommen wurde.

Mit Siegfried Finkbeiner


Dienstag, 05.04.22, 18:00-19:30 Uhr, Hospitalkirche, Büchsenstr. 33

»Arbeiterinnen des Herrn«

Frauenklöster im 19. Jahrhundert und ihr Einfluss auf Spiritualität und Religion

Im 19. Jahrhundert legten viele neu entstehende Orden ihren Schwerpunkt auf die vita activa, also den Dienst in und an der Gesellschaft. Dadurch boten sie auch Frauen eine Möglichkeit zur Teilhabe am Arbeitsleben. Es kam zu einer Renaissance der Religion und einem Aufschwung des Klosterwesens. Wir gehen der Frage nach, welche Rolle die vita contemplativa dabei spielte. Inwiefern kann von einer »Verweiblichung der Religion« im 19. Jahrhundert gesprochen werden?

Mit Dr. Kathrin Köhl


Dienstag, 17.05.22, 18:00-19:30 Uhr, Hospitalkirche, Büchsenstr. 33

Pawel Florenski (1882-1937)

Mathematiker, Philosoph, Priester, Mystiker

»Die Ikonostase« ist ein Hauptwerk dieses russischen Genies, der es wagte, im revolutionären Russland sein orthodoxes Priestergewand zu tragen und der ein Opfer des stalinistischen Terrors wurde. Wir wollen auf seine Theorie der »umgekehrten Perspektive« hören, die unsere westliche Kunstauffassung radikal in Frage stellt.

Mit Dr. Armin Münch


Dienstag, 07.06.22, 18:00-19:30 Uhr, Hospitalkirche, Büchsenstr. 33

Leo Tolstoi (1828-1910)

Die Reinigung der Religion Christi von Dogmen und Mystik

Auf dem Höhepunkt seines literarischen Ruhms gerät der Autor von »Anna Karenina« und »Krieg und Frieden« in eine existenzielle Krise, die ihn zur Bergpredigt und schließlich zu einem Christentum führt, das an den Grundfesten der Ordnungen seiner Zeit rüttelt. »Nimm Christi Lehre so klar und einfach an, wie sie ist, dann siehst Du, dass wir mitten unter großen Lügen leben.« Tolstois Kirchenkritik, seine Gewissens- und Liebesethik, sein Appell an die Innerlichkeit des Einzelnen ist eine spirituelle und ethische Provokation bis in die Gegenwart.

Mit Eberhard Schwarz


Dienstag, 12.07.22, 18:00-19:30 Uhr, Hospitalkirche, Büchsenstr. 33

Bernabé de Palma (1469-1532)

Vorläufer der klassischen spanischen Mystik

Im 15. Jahrhundert waren die Klöster der Franziskaner der strengen Observanz wahre Schatztruhen der Spiritualität. Insbesondere in Andalusien fanden sich so beeindruckende Gestalten wie der Laienbruder Bernabé de Palma der wesentlich daran beteiligt war, den Weg der inneren Sammlung als mystisches Mittel der Gottesbegegnung wiederzubeleben. Seine Hauptschrift »Der Weg des Geistes« hat dabei u. a. die Klassikerin der spanischen Mystik, Teresa von Avila, beeinflusst.

Mit Thomas Moser